Posterous theme by Cory Watilo

20 JAHRE WEBSITE. 20 JAHRE MEINES LEBENS

So sieht sie aus, die erste im World Wide Web veröffentlichte Website:

Www

Man kann sie sich Online anschauen und ganz ehrlich: ich mag sie noch immer, denn seine erste Web-Liebe vergisst man nie...

Heute vor 20 Jahren ging sie online und markierte einen Meilenstein für die Welt, wie wir sie kennen und in der wir leben. Das Web ist heute nicht mehr aus unserem Leben weg zu denken. Nicht ein Bereich in Kommunikation, Information und Unterhaltung, der nicht durch sie nachhaltig und unwiederkehrbar verändert wurde.
Sie revolutionierte Kommunikation in einer Art, wie es nur noch die Schrift und später der Buchdruck taten, sie machte uns zu Künstlern, Medienproduzenten und Werbeagenturen. Jeder, der eine Website anlegen, betreiben und mit Leben füllen konnte, erhielt eine nie geahnte Macht, um Menschen zu Informieren und zu manipulieren.

Als ich diese erste Website heute wiedersah, wurde ich auch ein wenig nachdenklich, denn sie und die Möglichkeiten, die in ihr stecken, haben mein Leben in einer Art und Weise geändert, dass man eigentlich von einer Neugeburt sprechen kann.
Nicht, dass mir 1992, als ich zum allerersten Mal eine Website auf einem PC sah - sah wie sie sich Pixel für Pixel auf dem Bildschirm aufbaute - in dem Sinn kam, dass dies passieren sollte, aber sie weckte in mir das Verlangen, auch so etwas zu besitzen. Eine Internetseite, die von allen Menschen weltweit gesehen, besucht und so ein Kontakt aufgebaut wird, der mir anders niemals möglich wäre. Das erschien mir völlig logisch und es war wie das Auftauchen eines Freundes, den man schon lange erwartet. Ich konnte auch zum ersten Mal die Begeisterung eines Freundes verstehen, der Nacht um Nacht an seinem CB-Funkgerät saß und den Gesprächen in fremden Sprachen lauschte, selbst Kontakt aufnahm und die Fesseln der Regionalität abstreifte.

Auch ich saß Nacht um Nacht vor dem Bildschirm, suchte nach neuen Websites und materte mir das Hirn, wie ich Teil dieser unfassbaren Welt werden kann. Wie ich mir selbst eine Website erstelle, wie wieder ein Schritt in eine "Raumschiff-Enterprise-Welt" vollzogen werden könnte.
Dann endlich im Jahr 1993 war es so weit. Meine erste eigene Website. Eine Seite, mehr eine Art Visitenkarte mit einigen mir wichtigen Links und einer Email-Adresse. Die Adresse habe ich noch immer, die Seite finde ich weder im Web, noch im Internet Archiv. Aber sicher habe ich sie noch auf einer alten Festplatte, den die habe ich alle kopiert oder aufbewahrt. Ich weiss noch, wie aufgeregt ich war, als mich über diese Internetseite eine erste Email erreichte, die in Autralien losgeschickt worden war. Aus Australien!

Ich weiss nicht, ob ich "schon" oder "erst" sagen soll, wenn ich daran denke, seit wann es Websites gibt. Mir kommt das wie ein Wimpernschlag vor und sie sind mit mir so verwachsen, dass ihr Anfang für mich kein fühlbares Ereignis mehr ist. Es ist allerdings ein Ereignis, dass einen wichtigen Teil meiner Selbst bedeutet, mich definiert und mir den Weg geebnet hat, dass machen zu können, was ich heute lebe und lieb. Ich habe ihre Entwicklung in den letzten 2 Jahrzehnten in mich aufgesaugt wie ein Ertrinkender Wasser. Websites sind ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit, meines Lebens, ihre Weiterentwicklungen zu Netzwerken, zu Transmedia-Produktionen, ja zu mobilen Begleitern sind völlig logische und erwartete Schritte. Ich freue mich täglich, wenn ich sehe, welche neue Dimensionen hinzu kommen, welche Workarounds zu Tools werden, welche Grasswurzel-Revolution durch Websites zu einem Dschungel des Widerstands und der Kreativität wird.

Und bin traurig, wenn ich die sabbernde Sammelwut von Daten und den kriminellen und ideologischen Mißbrauch ihrer Möglichkeiten erlebe.

...aber heute ist dein Geburtstag und wir wollen dich feiern, liebe Website!
Milliarden von Geschwistern hast du bekommen, Trilliarden von Ideen hast du transportiert, Myriaden Träume wurden auf dir geträumt.
Du hast Menschen und Lebensweisen global vernetzt, hast mich Dinge verstehen lassen, von deren Existenz ich vorher nicht einmal ahnte.
Du hast uns die Macht über unsere Medien geschenkt, Informationen personalisiert und Kommunikation revolutioniert.
Du bist erwachsen geworden. Von einer digitalen Visitenkarte, über ein Informationsportal, dann zu einem Medien- und Interaktions-Tool, bist du heute mein Multimedia-Kommunikations-Universum in der Hosentasche.
Nicht schlecht für die kurze Zeit, zumal deine Pubertät, in der du meine Geduld in die in dich gesteckten Erwartungen auf eine harte Probe gestellt hast, nervend lange gedauert hat. Aber ich wusste, dass ich mich auf dich verlassen kann, dass man dir nur Zeit geben muss, damit du dich aus deinem Larvenstadium zu einem schmucken Schmetterling verwandelst.

Dafür danke ich dir, liebe Website!

Freue mich auf die kommenden Jahre mit dir...