Posterous theme by Cory Watilo

Exit-Strategie für das Social Web

Notausgang

Bild: Frank Tentler

Alle wollen in das "Social Web"! Aber nehmen wir einmal an, jemand möchte es wieder verlassen?
Gründe dafür gibt es: Das Geschäftsmodell ändert sich, das Unternehmen wird aufgelöst, Lebensumstände ändern sich, oder man trifft im Mangement die Entscheidung, dass man diesen "ganzen Kram" nicht mehr braucht. Urteilen wir nicht über den Sinn einer solchen Entscheidung, schauen wir uns nur die nötigen Maßnahmen an, die daraus einen sauberen, professionellen Schnitt machen.

Wieder ist ein Kulturbetrieb Ausgangspunkt und Vorbild für Unternehmen, um sich Gedanken über ihr Verhalten im "Social Web" zu machen. Das Vorgehen der Duisburger Philharmoniker, die sang- und klanglos ihr erfolgreichstes Marketinginstrument - das transmediale "Social-Web"-Angebot "Philharmonie 2.0" - beenden, ist ein Worst-Case-Szenario und Marketing-Desaster, das mich auf den Gedanken brachte, dass man auch für diesen Fall eine Vorgehensweise, eine "Exit-Strategie", parat haben muss.

Warum muss das sein?
Stellen Sie sich diese Frage, haben Sie einen guten Grund, Ihr Marketing im "Social Web" wieder einzustellen. Dann haben sie diese Welt nicht verstanden, ihre Möglichkeiten nicht genutzt und Ihre Ressourcen verschwendet.

Denn hier einfach den Stecker ohne Begründung zu ziehen, kann sich nur erlauben, wer definitiv und unwiderruflich sein Unternehmen aufgibt. Deshalb ist es für eine verantwortliche unternehmerische Entscheidung in diesem Umfeld wichtig, einige Grundregeln zu beachten:

  • Exit-Strategie festlegen. Ob beim Betreten oder beim Verlassen der digitalen Welt: Planen Sie vorher genau, was sie wollen, wen sie erreichen wollen und wie sie dabei vorgehen. Planlos ist nicht nur im "Social Web" sinnlos.
  • "Social Media Exit Policy" mit Mitarbeitern vereinbaren. Oftmals sind gerade die eigenen Mitarbeiter die grössten Fans der "Social Media"-Aktivitäten ihres Unternehmens. Daher bereiten Sie diese frühzeitig vor und vereinbaren Sie - genau wie Sie zu Beginn eine "Social Media Policy" aufgestellt haben - einen gemeinsamen, von allen durchzuführenden Verhaltenskodex für den Ausstieg.
  • Alle Accounts und Vernetzungen dokumentieren. Aktualisieren Sie alle ihre Listen, mit denen Sie ihre "digitalen Botschaften" verwalten. Prüfen Sie nach, ob sie automatisierte Veröffentlichungen eingerichtet haben, die weiter laufen würden. Stellen Sie fest, ob sie eventuell immer noch automatisch Follower bei Twitter ansprechen, stellen das gegebenenfalls ab oder nutzen es vorher, um eine Abschiedsbotschaft zu hinterlassen.
  • Influencer vorab informieren. Sie hatten ein Influencer-Marketing aufgebaut? Dann sind diese die Ersten, die sie vorab informieren müssen. Seien Sie dabei genauso offen und ehrlich, wie Sie es bei Ihrer Kontaktaufnahme waren.
  • Inhalt reduzieren. Heizen Sie kein Feuer mehr an, dass Sie dann nicht mehr mit Brennholz versorgen können. Das verwirrt nur. Reduzieren Sie Ihre Veröffentlichungen auf das Notwendigste.
  • Verabschieden. Sie sterben gerade einen digitalen Tod. Laden sie entweder zur Raue ein, oder feiern Sie eine Abschiedsparty. Aber erklären Sie nachvollziebar Ihre Gründe. Machen Sie es mit Würde, Respekt und so, wie Sie denken, dass ihre digitalen Freunde sich wünschen, Sie in Erinnerung zu behalten.
  • Bedanken. Viele Menschen haben Ihnen über lange Zeit ihre "Freundschaft" und ihr Vertrauen geschenkt. Nehmen Sie das ernst und bedanken Sie sich ausgiebig, ausführlich und möglichst bei jedem, der Ihnen wichtig war, persönlich.
  • Noch einmal bedanken. Man kann es nicht oft genug tun!
  • Abschieds-Botschaft hinterlassen. Ist die Stunde des endgültigen Abschieds gekommen, hinterlassen sie auf allen Accounts eine Abschiedsbotschaft. Eine, die Sie auch in ein paar Monaten noch gerne lesen würden. Sollte es möglich sein, hinterlassen Sie eine Mail-Adresse zur Kontaktaufnahme.
  • Ändern Sie nach der letzten Nachricht alle Passwörter. Man weiss nie, ob nicht jemand Unzufriedenes mit Zugangsberechtigung Ihre toten Accounts in Zombies verwandelt.
  • Nie wieder diese Kanäle benutzen. Zumindestens nicht, ohne eine glaubhafte Entry-Strategie.
  • Regelmässige Kontrolle. Nehmen Sie sich fest vor, ein Auge auf ihre stillgelegten Accounts zu haben. Erfolgreiche Aktivitäten werden gerne gehackt. Auch oder besonders gerne, wenn sie beendet sind. 
  • Löschen Sie alle Accounts. Nach 3-6 Monaten können Sie damit beginnen, alle Accounts zu löschen. Das sollten Sie tun, denn irgendwann werden Sie nicht mehr daran denken, diese zu kontrollieren. Was dann der Account-Anbieter oder ein Hacker damit macht, werden Sie erst dann mitbekommen, wenn es zu spät ist.
    Tun Sie sich einen Gefallen und dokumentieren Sie vorher mit Screenshots Ihre digitale Vergangenheit. Wer weiss, wozu es gut ist.

Wenn Sie dies Punkte beachten, sollte Ihnen ein würdiger Abgang und ein digitales "Rest In Peace" möglich sein.

 

Falls Sie weitere Vorschläge dazu haben, schreiben Sie sie bitte als Kommentar unter den Beitrag.

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Alle meine Beiträge zur Reihe "Unternehmenskommunikation im Social Web" finden sie HIER

 

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