Happy Social New Year 2012?
"Social Society" oder "Social Matrix" - In welcher Welt leben wir?
Das neue Jahr bringt jede Menge Material zum Thema "Social Web" mit sich. Neue (Weiter-) Entwicklungen, wie z. B. "TV/Print goes Social" oder im Bereich des lokalen/analogen Netzwerkens (z. B. http://www.schemer.com) stehen Studien und Auswertungen des vergangenen Jahres gegenüber. Eine dieser Studien beschäftigt sich mit der Akzeptanz des "Social Webs" innerhalb von Unternehmern, Behörden und NPO´s.
Neben aktuellen Zahlen weist sie auch darauf hin, dass es auf diesem Gebiet einen enormen Weiterbildungsbedarf gibt, will man sich der Realität und der Nutzer-Dynamik langfristig angleichen.
2012 wird sicherlich das Jahr, in dem "Social" alle Web-Aktivitäten bestimmen wird: Social News, Social TV, Social Mags, Social Marketing/PR sind nur ein paar der Buzz-Words, an die wir uns gewöhnen werden. Auch technisch (Hard-, und Software) wird sich alles auf die Handhabung der sozialen Interaktion und der immer einfacheren, vernetzten Interaktion der User auf ihren unterschiedlichsten Plattformen konzentrieren.
...und wir werden uns mit den Folgen dieser Entwicklung auf unsere Gesellschaft, wenn nicht gar auf das Zusammenleben der Menschen auf diesem Planeten beschäftigen.Nach der Euphorie werden wir merken, wie leicht wir durch unsachgemässen Gebrauch, der Auswertung unserer Aktivitäten und der unkontrollierbaren Erweiterung unserer "Freundeskreise" zu überwachen und zu steuern sind. Wir werden uns fragen:
Sind Revolten, Umstürze, soziale Kampagnen von Menschen, Regierungen oder Lobbyisten gestartet und gesteuert, die sich der Partizipation-Kraft der neuen Medien bedienen?
Welche Interessen werden hier wirklich vertreten und wie können wir "Social Propaganda" von einem echten Anliegen unterscheiden?
Sind die Personen, die ich zu meinem digitalen Freundeskreis zähle, wirklich echt? Nach und nach werden wir merken, dass vieles, was wir in den Ursprüngen des "Social Webs" für innovative Interaktions-Werkzeuge gehalten haben, nur dazu dienen, uns zu manipulieren, zu steuern und - still, leise, unmerklich - zu führen.
Der Begriff "Social Remote" - die aktive Steuerung und Kontrolle von Menschen durch Technik und Interaktion via "Social Web" - wird auftauchen.
Zunächst als Teil von Marketing-Kampagnen, dann als Teil der Propaganda-Arbeit.
Uns wird der Verdacht kommen, dass wir vielleicht viel mehr durch noch mächtigere Interessensgruppen ausgehorcht, kontrolliert und gesteuert werden, als es sich George Orwell in seinen schlimmsten Alpträumen vorstellen konnte.
Die Technik dafür ist längst vorhanden.
Investoren platzieren heute geschickt ihr Geld, um die Nutzung von Hard- und Software DAU-tauglich zu machen. Denn "einfacher" bedeutet "mehr".
Je mehr jeder von sich erzählt/twittert/facebookt/plust, umso mehr kann man Informationen über ihn und seine sozialen Kontakte sammeln.
Und man kann ihn mehr und einfacher zur zielgerichteten Interaktion manipulieren.
Wir sind bereits heute so sehr an die Nutzung der sozialen Netzwerke und Plattformen gewöhnt, dass wir sie im Grossen völlig unkritisch mit Informationen aus allen Lebensbereichen über uns, unsere Freunde und Familie füttern. Selbst Menschen, die nicht sehr aktiv im Social Web sind, werden durch die Hinweise und Beiträge, die ihre Kontakte an und über sie schreiben, völlig transparent.
Aber es gibt auch genug Möglichkeiten, diesem Szenario zu entgehen.
Diesen Grundstein zu legen, wird ein wichtiger Schritt im Jahr 2012 sein. Wir müssen jetzt, nachdem die Euphorie bei den Nutzern der ersten Stunde abklingt, einen klaren Kopf bekommen, um zu sehen, wohin uns diese Entwicklung führen kann.
Nur dann sind wir in der Lage, dieser technischen Revolution positive Impulse zu geben.
Nur dann können wir die Gefahren, die diese "Social Matrix" mit sich bringt, verstehen und darauf reagieren.
Denn das "Social Web" - so wie es von den Vätern des Internets schon vor vielen Jahren voraus gesagt wurde, um es zum Guten einzusetzen - schafft etwas, was kein Buch, kein Radio und kein TV bisher schaffen konnte:
Menschen können vernetzt, über Sprachbarrieren hinweg, gemeinsam an einer besseren Welt arbeiten. Eine Utopie?
Vielleicht.
Aber besser diese, als eine Orwellsche.