Social Web auf Speed
bild: franktentler.com, Stedelijk Museum Amsterdam
Eigentlich habe ich noch Urlaub. Bis kommenden Dienstag. Hier und da ein wenig aufräumen im Büro. Freunde anrufen, besser noch treffen. Die Familie mit dem ungewohnten Gesicht wieder etwas vertrauter machen. Auch die Buchhaltung 2011 abschliessen. Bücher lesen. Viele Bücher und auch mal welche ohne Titel wie "The Social Insertwhateveryoulike!". Ein Buch schreiben. Zumindestens anfangen. Gedankliche Ordnungsleistung und so.
So der Plan.
Die Realität sieht anders aus. Alleine heute habe ich 5 Machbarkeitsstudien zu sehr umfangreichen Social-Web-Projekten fertig gestellt, die in den letzten 3 Tagen als Anfragen an mich gerichtet wurden. Steht das Gerüst, rechne ich die Manntage aus. Bei diesen Projekten wären es knapp 370 alleine in 2012. Dazu noch die bereits eingestielten Projekte, die in den kommenden Wochen starten.
Beschweren will ich mich nicht. Umgesetzt werden sowieso nicht alle und wenn, dann werden KollegInnen für Schulung und Website-Planung dazu geholt und via Projektmanagement integriert. Aber das Volumen ist schon beeindruckend.
Begonnen hat diese Entwicklung im Frühling 2011. Bis dahin war meine Arbeit und Zeit gut planbar. Work-Lifetime-Balance im grünen Bereich, würde ich sagen. Dann fielen die Sommerferien irgendwie aus. Zumindestens für mich und einige Marketingabteilungen von Unternehmen und Agenturen. Dann die Herbstferien. Eigentlich beides sichere Kandidaten für Müßiggang. Über die Weihnachtsfeiertage war dann doch sowas wie gespannte Ruhe. "Guten Rutsch und wir melden uns im neuen Jahr!". Kennt man ja, aber das damit der 1. Januar gemeint war, ist neu. GIbt es jetzt so viele junge Singles in den Unternehmen? Ein Generationswechsel? Oder ändert sich da gerade eine Arbeitseinstellung?
Ich glaube, dass gerade unheimlich viel Geld in dieses neue Medium gepumpt wird.
Dass es eine kribbelige Ungeduld gibt, den Anschluss nicht zu verpassen.
Dass man links und rechts guckt und erschrocken die Aktivitäten der Kollegen/Konkurrenz sieht.
Eine gewisse Panik ist da nicht mehr zu übersehen. Wie heisst der englische Ausduck dafür noch gleich? Rat Race. Zielloses, selbstzerstörerisches Rennen. Ohne Plan, Struktur. Schlecht beraten von Agenturen, die selbst keinen Plan haben. Genau das haben die Unternehmen im letzten Jahr gemacht. Nun dämmert es ihnen, dass sie A) nicht alles von anderen machen lassen können, B) dass sie sich schnellstens auf die Hinterbeine setzen müssen, um den Anschluss nicht zu verpassen und C), dass es keine Alternative gibt.
Also freue ich mich auch. Der Schampus steht kalt und wird heute abend mit stiller Freude getrunken.
Dabei wird mir schon eine Idee kommen, wie ich mit diesem "Social Web auf Speed" als Unternehmer umgehen werde.
Ist nicht das erste Mal, dass das Web einen Hype auslöst.
Sicher nicht das letzte Mal.
In der Vergangenheit hat mir immer geholfen, mich phasenweise auf ein Kernthema zu spezialisieren. 2004 Blogs. 2005 Podcasts. 2006 komplette Web-Media-Produktionen. 2007...Startup-Zeit. War etwas aus der Reihe...und eine verrückte Zeit. 2008 Social-Media-Consulting. 2009 auch noch, aber mit wesentlich komplexeren Themen. 2010 war geprägt durch viele Vorträge und anstrengende Überzeugungsarbeit. 2011 stand im Zeichen von Transmedia sowie sehr spannenden, aussergewöhnlichen Projekten. Z.B. mit dem Berliner Unternehmen Asisi im Pergamonmuseum.
Dann wird 2012 wohl das Jahr in dem das "Social Web" ankommen wird.
Mit seinen Chancen, seinen Risiken.
Meine Schwerpunkte werden Projektleitung und "Social News/Mags/TV" sein.
Den Grundstein dafür habe ich für mich schon gelegt: The Social Web Co. heisst mein eigenes Projekt. Aber gerade holt die Realität das Marketing ein. Wir werden sehen.
Morgen sieht sie bestimmt schon wieder völlig anders aus...