Posterous theme by Cory Watilo

Völlig überbewertet, dieses Web! Na und?

2524822293_fafa15e961

Bild: Emm Enn, Flickr, CC Lizenz

Das Social Web boomt! Nicht nur die User strömen in die Netzwerke und Anwendungen, auch die Investoren sind nicht mehr zu halten. Wird es wieder zu einer gewaltigen Blase kommen, die, wenn sie explodiert, für Jahre die gesamte Kreativ- und Web-Branche lähmt wie einst im Jahr 2000? Ja, wird esund explodieren wird sie sehr wahrscheinlich auch. Aber ansonsten scheinen wir aus der Vergangenheit gelernt zu haben.

Microsoft kauft Skype für 8 Milliarden Dollar. Das russische Google-Double Yandex ist am 1. Tag des Aktienverkaufs mehr wert als die Lufthansa. Aktien des Social-Business-Network LinkedIn erzielen am ersten Tag ein Plus von 109 Prozent. Facebook soll angeblich einen Wert von 70 Milliarden Dollar haben. Und das ist nur die vorsichtigste Schätzung.
Ein Ende dieser Goldgräberstimmung ist noch lange nicht in Sicht. Geht Facebook an die Börse, wird es sicherlich zu völlig verrückten Reaktionen kommen. Alles, aber auch wirklich alles, was die Namensbestandteile "Social" und "Web" beinhaltet, wird weggehen wie die berühmte warme Semmel. 

Die untere Grafik, die neben der historischen Entwicklung bekannter Web-Unternehmen auch deren finanziellen Werdegang aufzeigt, hilft vielleicht dem einen oder anderen dabei, einen kühlen Kopf zu bewahren.
Schaut man sich nämlich den mutmasslichen Wert dieser Unternehmen im Verhältnis zu ihren Umsätzen an, erweisen sich diese Zahlen als völlig unseriös.
So ist zum Beispiel Skype fast um das 10-fache überbewertet. Groupon um beinahe das 33-fache, Facebook 35-fach, LinkedIn 38-fach und Twitter sage und schreibe 50 Mal höher bewertet, als sein Gewinn.
Was wir hier sehen sind Wetten. Wetten auf ein mögliches fulminantes Geschäftsmodell. Auf ein gigantisches Aufblasen von Unternehmen, die eigentlich nur Zeitgeist-Werkzeuge sind. Sie produzieren nichts, sie schaffen keinen physischen Mehrwert, sie sind einzig und alleine in diesem Moment das richtige Werkzeug zur richtigen Zeit.
So wie AOL, MySpace, Yahoo, StudieVZ und die vielen anderen, die wie Raketen starteten und wie Sternschnuppen verglühten.

Was wir sehen ist eigentlich keine Blase, sondern ein Pyramidenspiel, bei dem diejenigen, die als erste investieren die meisten Gewinne machen. Wenn sie rechtzeitig und früh wieder verkaufen. Die breite Masse, die am Ende dann Aktien hält, muss die sinkenden Kurse und ihre schmelzenden Investitionen beweinen. 

Warum ich mir aber dieses Mal keine grossen Sorgen mache, hat folgende Gründe:
- Egal, was passiert: Das Social Web wird bleiben und weiter wachsen. Vielleicht werden einige Werbeetats reduziert, sicher werde ich neue Strategien für neue Netzwerke entwickeln müssen, aber das wird nichts an den Grundlagen meiner Arbeit ändern. Dynamische Konzepte für ein Social Web. Das mache ich seit 2005. Und werde es, sofern ich Einfluss darauf habe, auch noch 2015 machen.
- Es wird noch viel Geld in Startups und neue Ideen, neue Konzepte für das Social Web fliessen. Das ist gut so, denn wir brauchen dringend einfachere, von allen Normal-Web-Nutzern bedienbare Anwendungen. Wenn Facebook eines gezeigt hat, ist es, dass alles DAU-tauglich sein muss. Einfach wie eine TV-Fernbedienung. Und um das zu entwickeln, brauchen wir junge, kreative Unternehmer, die sich mit der neuen Generation der "Transmedia Natives" und ihren Medien-/Kommunikations-Bedürfnissen auskennen. Und die brauchen das Geld.
- Anleger in Deutschland und Europa sind seit der letzten Blase eindeutig vorsichtiger geworden. Bisher scheinen wir noch nicht auf diesen Volldampfzug springen zu wollen. Nicht im Aktienmarkt, aber leider auch nicht bei den nötigen Investitionen in Startups, die das "Web-Entwicklungsland" Deutschland endlich weiter bringen würden.

Schauen wir uns also die folgende Grafik konzentriert, aber mit einem wissenden Lächeln an, informieren uns und sind - halbwegs entspannt - vorbereitet, auf das, was unweigerlich kommen wird.

Social-media-valuations-640_2