Posterous theme by Cory Watilo

"Social Network" der Zukunft: WWSW oder Biotop?

Netzwerk

Wie werden wir in 5 Jahren vernetzt sein? Welche heutigen "Big Player" werden noch da sein, welche sind bis dahin - wie z. B. heute AOL, Yahoo und MySpace - unbedeutend geworden? Wird es überhaupt noch ein Web geben, wie wir es kennen? Keiner kann diese Fragen wirklich beantworten. Aber wir können unsere Erfahrung in der digitalen Welt nutzen, um uns dieser Entwicklung anzunähern.

Schauen wir uns Versuche aus der Vergangenheit (z. B. das Video "Epic" von 2005) und der Gegenwart ("Unser digitales Leben heute und in 5 Jahren") an, so sind das alles nur Annäherungen. Damals wie heute kann man technische Entwicklungen, abgesehen von nicht einkalkulierbaren Technologie-Sprüngen, recht gradlinig weiterführen. Wie lange es dauert, die nächste Generation des (mobilen) Webs zu starten, lässt sich an den Entwicklungsplänen für Infrastruktur ablesen und recht gut bestimmen. Auch andere dieser Faktoren sind so einzuordnen. Aber wie wir in 5 Jahren miteinander technisch kommunizieren werden, ist für mich heute nur zu vermuten. Doch die Relevanz dieser Vermutung ist für meine berufliche Tätigkeit von grösster Wichtigkeit. Nur so kann ich langfristige (im Web Plus/Minus ein Jahr) Strategien entwickeln.
Ich mache mir gerade Gedanken dazu. Denn es liegt Veränderung in der Luft. Da bin ich mir sicher. Das Web vibriert. Eine "Blase 2.0" wächst und wird aufmerksam beobachtet und die Informationsströme des Webs sind übervoll mit Neuigkeiten dazu.

Prinzipiell kenne ich 2 Möglichkeiten, wie man ein "Social Network" aufbauen kann. Nennen wir die eine Variante "World Wide Social Web" (WWSW), wie es Google machen könnte. Die andere sind die uns wohlbekannten "Social Networks" (SN) mit Facebook an der Spitze. Zwei völlig unterschiedliche Ansätze, aber mit gleichen Voraussetzungen. Beide benötigen als Voraussetzung eine technische Infrastruktur, die es dem User so einfach wie möglich macht, zu kommunizieren und Informationen und Medien auszutauschen. Ebenso muss die Benutzung "DAU"-tauglich sein.
Dann aber hören die Ähnlichkeiten auf.

Social Networks- Die digitalen Netzwerk-Biotope
Das beste und grösste Beispiel hierfür ist natürlich Facebook. Der Kampf Facebook gegen Google ist eigentlich wie der von Apple gegen Microsoft. Facebook ist eine einzige Plattform, technisch hervorragend aufeinander abgestimmt, fixiert auf Optimierung von Nutzbarkeit und Datenverwertung. Ein riesiges Biotop im Web, mit nur einem Ziel: Der direkte Kontakt und der Austausch von Informationen und Medien soll so einfach wie möglich zwischen Nutzern funktionieren. Und Facebook ist sexy.
Google ist nicht mehr oder weniger als "Das Web". Riesig, komplex, schwerfällig, uncool.

Das Facebook-Angebot ist kostenlos, aber saugt alles an Informationen zu Nutzern ab, was möglich und denkbar ist, um sie in einen hoch indiviudellen und somit relevanten Werbe-Strom zu verwandeln. Wie fast alle anderen SNs ist Facebook nur zu einem Zweck auf diesem Planeten: Es ist eine Art digitaler Litfass-Säule mit einer Eingabe-Schnittstelle, die unsere Interaktion auswertet und sich dynamisch den uns in dieser Interaktion beschriebenen relevanten Inhalten anpasst, weil Facebook denkt, dass wir Produkte, die unseren Lieblingsthemen entsprechen oder von "Freunden" vorgeschlagen werden, eher kaufen und nicht als SPAM oder Werbung empfinden. Der Preis, den wir für die Einfachheit des Angebots bezahlen, ist eine noch nie dagewesene Nutzung unserer privaten Informationen. Nicht nur, dass wir ständig unsere eigenen Vorlieben und Vorstellungen hinaus posaunen, wir liefern auch unsere Familien und Freund gleich mit an das Messer. Egal, was wir über sie oder mit ihnen namentlich besprechen, egal, welcher Gruppe wir sie zuordnen, jeder Schritt, jedes Wort, jedes "Like"...einfach alles wird gespeichert und ausgewertet. Ist das noch nicht schlimm genug, ist die Sicherheit innerhalb dieses Systems offensichtlich nicht ausreichend, wie ein aktuelles Beispiel leider zeigt
Facebooks Ziel ist es, das neue Internet zu werden. Sie setzen ganz auf den Kommunikationswillen der Nutzer und dem Werbewillen der Unternehmen. Diese Unternehmen möglichst authentisch und persönlich mit den Kunden zu vernetzen und deren Werbung als unikate Unterhaltung und "Freundschaftsdienst" darzustellen, ist die Stärke von Facebook. Alle möglichen eigenständigen Web-Dienste sollen über Facebook vernetzt werden. Zuletzt war sogar dafür die Musikplattform Spotify im Gespräch. Ein direkter Angriff auf die "Music Cloud" Bestrebungen von Amazon, Apple und Google. So sollen Nutzungszeit und Datenauswertung in die Höhe getrieben werden, um die Plattform noch wertvoller für werbetreibende Unternehmen zu machen. Den die Zeit, die Nutzer bei Facebook verbringen, können sie nicht bei der Konkurrenz sein. 
Facebook ist schnell in der Entwicklung (Nutzung und Technik). Es ist cool. Es  hat seine Technik optimal aufeinander abgestimmt und der Nutzungswert liegt noch höher, als technischer Schluckauf und die Angst vor Datenmißbrauch. Aber reicht das aus, um DAS Internet zu werden?
Denn im Web heisst der Gegner nicht Microsoft, sondern Google. Und das ist ein ganz anderes Kaliber. Social Networks kamen und gingen. Aber Google blieb.

World Wide Social Network- Das ganze Web ist ein soziales Netzwerk
Schon der Vergleich von Google Incorporated mit Facebook Incorporated zeigt, wo der Hammer hängt. 10 mal höher ist der Umsatz und die Mitarbeiterzahl und die in Google integrierten Unternehmen lesen sich beeindruckend. Google selbst beschreibt seine Firmenphilosophie so: Das Ziel von Google besteht darin, die Informationen der Welt zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen.“ Und hier haben wir auch gleich das Problem: Google wurde 2005 ebenso vom Boom der "Social Networks" überrascht, wie alle anderen "Big Player" auch. Alle Versuche in diese Welt der vernetzten Zusammenarbeit vorzustossen, scheiterten bisher. Dabei waren sie, wie z. B. Google Wave und Buzz, eigentlich sehr gute Ideen, nur leider viel zu schwierig zu bedienen für den Normal-Nutzer. Damit Google im "Social Web" eine Hausnummer werden kann, muss die Firmenphilosophie dringend um die Vision "einfachstes Social Networking" erweitert werden, denn in dieser Welt und dem Echtzeit-Zugang zu Informationen spielt Google keine Rolle. Zwar wurden Twitter-Suchergebniss in die Google-Suche integriert, News- und Blog-Seiten in Echtzeit durchsucht, aber diese Ergebnisse wieder der einfachen Verbreitung durch den Nutzer zuzufügen, passiert leider nicht. Seit kurzer Zeit bietet Google in der englischen Suche dazu den Service "+1" an, um so Facebooks "Like-Button"-Offensive entgegen zu treten.  Auch kann man diesen Button jetzt in individuelle Websites/Blogs einbinden. Hier ein Beispiel, das aber auch zeigt, wie wenig er z. Zt. im Gegensatz zu Twitter- und Facebook-Button angeklickt wird.
Die so gefundenen und bewerteten Links findet man dann nur auf der eigenen Google-Profilseite. Es gibt keinen RSS-Feed oder sonstige Möglichkeit, diese Informationen wieder in andere Kanäle einzuspeisen. Ein Ausstausch darüber, wie wir es von Social Networks gewohnt sind, ist nicht möglich. Das ist für eine Daten-Krake, wie Google sie ebenfalls ist, aber heutzutage ein schmerzlicher Nachteil. Viele für sie wichtige vernetzte Informationen können deshalb nicht generiert werden.

Aber trotzdem wird die Sache hier interessant. Denn dieses Profil ist eigentlich die Grundlage für die Social-Web-Aktivitäten von Google. Hier könnten alle wichtigen Informationen zusammen laufen. Dieses Profil könnte die Grundlage sein für etwas, was sich wie eine zweite Haut über das gesammte Web legt und die Nutzer über Google-Suche und "+1"-Buttons Informationen austauschen lässt.
Die Frage ist aber: wie werden alle diese Informationen wieder zusammen geführt? Wie können sich so überhaupt wieder thematische Gruppen und Netzwerk-Aktivitäten aufbauen?

Die Lösung dafür wäre Googles Browser "Chrome".
Nehmen wir einmal an, eine Reihe Netzwerk-Fuktionen wären ein fester Bestandteil dieses Browsers. Nehmen wir weiter an, ich könnte mit allen Google-Kontakten jederzeit an jedem Ort des WWW in Kontakt über die dort gefundenen Inhalte treten, diese verstichworten, Gruppen zuführen und mit "+1" bewerten. Der Google-Browser würde so zu einem Interface werden, mit dem ich alle meine Kontakte, Medien, bevorzugten Websites und Communities und meine Kommunikation verwalten könnte.
Egal, wo ich im Web wäre, mein Social Web wäre immer bei mir. Würde dann noch dieses Angebot freigegeben werden, damit unabhängige Entwickler Usability und Design anpassen können, würde es sich - ähnlich wie wir es von Twitter mit seinen hundertausenden Erweiterungen kennen - als natürlicher Bestandteil des WWW integrieren und völlig neue Anwendungen ermöglichen, die wiederum die Daten-Krake füttern. 
Wir hätten ein WWSW: Ein "World Wide Social Web". 
Und Google kann einen weiteren Trumpf ausspielen, den Facebook nicht zu bieten hat: Android, das Betriebssystem für Smartphones und Tablet-Computer.
Auch hier läuft der Safari-Browser nativ, auch hier sind Erweiterungen und Apps für ein WWSW ohne weiteres möglich und würden wirklich Sinn machen.  
Aber was hindert Google eigentlich daran, so etwas zur Verfügung zu stellen. Nichts. Ausser, dass es viel behäbiger ist , als irgendein Startup. Nicht mehr so hungrig ist und schon lange im realen Wirtschaftsleben angekommen ist. Bei Google spricht - im Gegensatz zu Facebook und Co. - niemand mehr von einer Finanz-Blase und ein Web ohne Google ist heute genauso wenig vorstellbar, wie Rechner ohne Windows. Beide sind anerkannte, effektive und gewinnträchtige Unternehmen. Aber so sexy wie ein Finanzamtformular. Darum sind schnelle, kleinere und kreativere Unternehmen in der Lage, immer mal wieder die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und Erfolge einzuheimsen. Bis sie von den Großen entweder geschluckt oder plattgemacht werden. Solange sich diese Giganten nicht selbst zu Fall bringen, stolpern sie vielleicht kurz, aber mehr nicht. Einfach wäre es eigentlich für sie. Wenn wir es im "Social Web" nicht mit einem neuen Spielfeld zu tun hätten, dessen Existenz zunächst nicht ernst genommen wurde und dessen Regeln nicht akzeptiert. Zu lange wurde dieses nur als ein Teil des Webs gesehen. Dass es aber immer mehr zu riesigen Kontinenten auf der Web-Landkarte wuchs, diese Erkenntnis kam den Giganten des Webs leider erst sehr spät.
Vielleicht zu spät?

...und der Sieger ist...
Für mich lautet die Antwort, wer der wichtigste Anbieter eines "Social Networks" der Zukunft sein wird: Google. Mag sein, dass Facebook weiter wächst, mag sein, dass ein Facebook-Nachfolger noch mehr Erfolg haben wird. Aber das sind alles nur Modetrends. Wie bei Autos. Jedes Jahr gibt es neue, coolere, schickere Modelle mit noch mehr Schnickschnack. Aber sie alle müssen auf Strassen fahren. Und die Strassen des Webs werden von Google dominiert. Entwickeln sie jetzt noch ein schickes, allgegenwärtiges Fahrzeug, in das ich überall einsteigen kann, ohne meine Seele verkaufen zu müssen, es mir leicht und verständlich meinen Fahr- und Nutzungsgewohnheiten anpassen kann, werde ich es nutzen. 
Wenn Google das hinbekommt, was eigentlich auf Grund von Geld und Erfahrung (immerhin haben sie mit Orkut ja schon lamge ein Social Network, dass funktioniert. Zumindstens technisch) nicht wirklich schwierig ist, dann hat Facebook ein Problem. Kombiniert mit der Anbietung diverser Cloud-basierter Unterhaltungsangebote und (was ich fest glaube) eigenen Kinofilm-/Musikproduktionsfirmen (sie sind Distributor, Plattformanbieter undunvorstellbar reich. Welches Label, welche Filmproduktion kann da noch mithalten?), ist Google dauerhaft der Sieger.
VIelleicht noch Apple, die im Jahre 2015 Facebook kaufen, nachdem die "Blase 2.0" geplatzt ist und der Wert dieses und vieler anderer überbewerteter Unternehmen im Keller ist...
Aber das ist eine andere Geschichte. 

Offensichtlich macht Facebook sich auch seine Gedanken und Sorgen. Nicht zuletzt die schmierige PR-Kampagne gegen Google deutet darauf hin, dass man schon im Vorfeld der Google Ambitionen stören will, wo man nur kann. Auch mit höchst zweifelhaften und unfairen Methoden. Was allerdings dem Image weiter schadet. 
Was Facebook wirklich fehlt, ist ein Eric Schmidt. Ein erfahrener Wirtschaftsmanager, der ein nachhaltiges Unternehmenskonzept entwickelt. Vielleicht würde es dann noch anders werden. Den die Marke "Facebook" ist ein Pfund, mit dem man durchaus wuchern kann.

Denkbare Alternativen
Mir würde, ehrlich gesagt, keine der beiden Alternativen behagen. Zwar hat Facebook das schlechtere Daten-Kraken-Image, aber wirklich besser ist Google auch nicht. Ich persönlich vertraue z. Zt. ihnen etwas mehr als Facebook, mich nicht völlig den Haien zum Fraß vorzuwerfen.
"Don´t Do Evil!".
Zwar hätte ich gerne beruflich eine Browser-gestützte Social-Web-Zentrale, über die ich alle Dienste einfach, übersichtlich und effektiv für mich und meine Kunden nutzen, ein effektives Monitoring durchführen und alle Medien und Interaktionen vornehmen kann, die ich für Aufträge und Analysen benötige. Privat allerdings gefallen mir eine Lösungen, wie sie Diaspora anbietet, wesentlich besser und auch beruflich würde ich mir sehr wünschen, das die digitale Welt sich dahin entwickelt. 
Dann würde nämlich gesteuertes Marketing durch Medien- und Kommunikationskompetenz ersetzt werden. Aber das wird ein Traum bleiben.
Aber ich gehöre auch zu den Menschen, die sich den Weltfrieden wünschen. 

Ein Service wie Diaspora, gerne gegen Bezahlung, wäre mir lieb, um eine digitale Umgebung für meine Familie und Freunde einzurichten, wo wir sicher und privat kommunizieren können.
Noch lieber allerdings wäre mir ein WWSW gegen eine Bezahlung! Ohne Datenkrake und Werbemüll. Dafür würde ich erst recht zahlen. Gefühlte 50 Euro im Monat, incl. Media-Flatrate, wäre mir das im vollen Umfang wert.
Aber auch das ist nur ein Traum.

Daher werde ich auch weiterhin mir die grösste Mühe geben, 1. privates und berufliches im Social Web zu trennen, dafür unterschiedliche Angebote zu nutzen und 2. jeden davon zu überzeugen, wie wichtig Medienkompetenz zu erlangen schon von Kindesbeinen an ist. Deutschland ist leider ein Social-Web-Entwicklungsland und wir müssen JETZT endlich anfangen, das zu ändern.
Denn für uns als User ist völlig egal, welchen "Giganten" wir in 5 Jahren im Web gegenüber stehen.
Hauptsache ist, wir können damit umgehen, wenn wir sie nutzen wollen. 

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Mich würde sehr deine/Ihre eigene Meinung und Vermutung zu der Entwicklung der "Social Networks" interessieren.

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