Posterous theme by Cory Watilo

20 experten 10 social web trends…und deine Meinung!

ACHTUNG!
Das ist ein langer, ein sehr langer Beitrag. Und er wächst und wächst und wächst…nichts für die "Generation Twitter" (auch so ein Trend: kurze Texte für kurze Wahrnehmungsspanne). Neben meinen eigenen Anmerkungen, trudeln jetzt nach und nach auch die der angefragten ExpertInnen und sehr fein durchdachte von LeserInnen dieses Blogs ein. Die ich natürlich gerne aufnehme. Ich finde das sehr spannend. So entwickelt sich ein sehr umfassendes Bild und das kann nie schaden, wenn man sich an Zukunftsprognosen wagt.
Neue Ergänzungen habe ich, damit bereits eingelese LeserInnen diese schnell finden, HELLBLAU dargestellt. Ebenso sind sie mit Datum und Namen versehen. Vielen Dank für die Mitarbeit und ich bin sehr gespannt, was am Ende dabei heraus kommt.

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1. Fliegende Autos sind wichtig

Klar weiss ich genau, was nächstes Jahr im Web passieren wird. Ist ja mein Beruf.

Genauso, wie ich als Kind wusste, dass im Jahr 2000 die Autos fliegen - bei Städten war ich mir nicht 100% sicher, nahm es aber an - und wir auf Mond und Mars Kolonien gegründet haben.
Völlig klar.

Zum Glück für die jetzt schon viel zu hohe Erderwärmung - eine Sache, die damals niemand auf dem Schirm hatte, was eigentlich bei dem vorhersehbaren Energieverbrauch seltsam anmutet - ist nichts davon eingetreten. Aber dennoch sind solche Gedanken enorm wichtig! Wir brauchen Visionen, die wir aber permanent auf ihren Nutzen überprüfen müssen. Mal ist es technisch nicht zu verantworten (natürlich hatten die Autos Atom-Motoren), mal ökonomisch völlig hirnrissig eine Vision zu verwirklichen.
Dafür sind aber heute die Kommunikatoren aus Raumschiff Enterprise Schnee von gestern und überhaupt ist Kommunikation völlig anders geworden, als gedacht. Sie ist ein globales Gut geworden, dass die Menschen auf diesem arg gebeutelten Planeten näher zusammen gebracht hat und uns so vielleicht ein Werkzeug ist, dass wir im persönlichen Austausch uns besser verstehen, vielleicht so eher zu Kompromissen und sozialen Entscheidungen bereit sind, bevor wir durch eine wütende/hungernde/verdurstende/obdachlose 90-prozentige Mehrheit auf diesem Planeten dazu gezwungen werden.
Was nur rechtens wäre.

Ich habe eine Tradition: Jedes Jahr am 4. Advent beginne ich mit einer Sondierung der Vorhersagen für das Jahr 2010 im Bereich Internet, Marketing, Technologie und Kommunikation. Das hilft mir zumindestens, das ich für die kommenden 3 Monate überschauen kann und meine eigene, sowie die Strategie für meine Kunden darauf abstimmen kann. Mehr, so lehrt die Erfahrung, ist nicht drin. Nach 3 Monaten führe ich dann ein Controlling durch, um zu prüfen, ob die Vorhersagen sich bewahrheiten und wo ich nachbessern muss. 3 Monate sind fast schon gewagt und ich überlege mir gerade ein Verfahren, dass mir - ähnlich der monatlichen betriebswirtschaftlichen Auswertung - einen zeitnahen Überblick verschafft.

Für 2010 habe ich mir 10 Themengebiete vorgenommen, die beruflich für mich wichtig sind und für die ich eine möglichst genaue Vorhersage benötige. Aber nicht nur ich. Ich denke, dass ist für jeden neugierigen und beruflich im/ums Web engagierten Menschen wichtig.
Vorhersagen beruhen auf Erfahrung, Beobachtung, Einschätzung und Fakten. Die ersten 3 Stichworte sind sehr persönlicher Natur und daher behaupte ich dabei nicht, dass ich mit meiner Einschätzung da immer richtig liege. Vielleicht für 2-3 Monate. Um aber einen besseren Überblick zu bekommen, schaue ich mir genau an, was bekannte und unbekannte Experten sich dazu überlegen. Diese suche ich mir im Web oder führe ein direktes Gespräch, was immer viel ergiebiger ist.
In diesem Jahr möchte ich mir das etwas einfacher, aber auch mit einem besseren Überblick gestalten. Dazu werde ich bei 20 Experten nachfragen oder nachlesen, was sie mit ihren Erfahrung, Beobachtung, Einschätzung und Fakten als Trends für 2010 benennen. Und das ganz öffentlich und für alle nachlesbar/ergänzbar/kommentierbar hier im ECHTZEITGEIST Blog.

Die 10 Themengebiete sind:

  • Social Media
  • Social Networking
  • Social Marketing
  • Web Technologien (Browser, HTML5, CMS,...)
  • Mobile Web
  • Gadget & Devices (was für Geräte erwarten uns? Und ich will hier nicht nur Apple-Auguren hören!)
  • Unternehmen-Trends (was macht Google/MS/Yahoo/Twitter…)
  • Sicherheit & Recht (Community Crawling, Datenschutz,…)
  • Cloud Computing und Semantic Web (Wie gehts weiter?)
  • Kultur 2.0 (liegt mir einfach am Herzen)

Die ExpertInnen-Meinungen werde ich über die nächsten Tagen entweder aus dem Web heraus suchen, oder Fachmenschen direkt mit der Bitte um eine persönliche Stellungsnahme anschreiben/anrufen.

Aber Experten hin, Fakten her: Ich glaube fest an die Web-Intelligenz!
Ich bin davon überzeugt, dass im Wissen/in der Erfahrung Vieler ein enormes Wahrheitspotential steckt. Daher meine Bitte an euch: Gebt mir zu den 10 Themengebieten bitte eure Meinung kund. Entweder zu allen Punkten, oder nur aus euren Fachgebieten. Schreibt sie bitte in die Kommentare. Ich werde sie sehr aufmerksam lesen und daraus - mit den anderen Meinungen - versuchen ein Gesamtbild zu erstellen.

Vielen Dank für deine Mühe!

Ich denke aber, das lohnt sich für uns alle.
Denn es ist immer gut gemeinsam zu erörtern, wohin ein Weg gehen kann...

2. ZWANZIG experten ZEHN social web trends: So wird das Web im Jahr 2010…

Um nicht die Übersicht zu verlieren - immerhin sammle ich Meinungen aus verschiedensten Fachgebieten - werde ich die Statements der ExpertInnen und ECHTZEITGEIST LeserInnen (bitte im Blog als Kommentar hinterlassen) hier sortiert nach den 10 Themengebieten mit Namen und Weblinks veröffentlichen.

  • SOCIAL MEDIA
    Ravit Lichtenberg
    , Gründerin und Chef-Strategin von www.ustrategy.com, beschäftigt sich mit der Entwicklung von Social Media in 2010:
    • Social Media werden ein integrierter Bestandteil unserer On- und Offline-Aktivitäten.
      Lichtenberg geht davon aus, dass wir völlig natürlich unsere Medien austauschen, mixen und quer über alle Plattformen mittels eigener und zur Verfügung gestellter APIs verteilen. Dabei macht es keinen Unterschied, ob wir das über über unsere Rechner oder Smartphones machen. Es gibt keine Unterschiede, keine Grenzen mehr- Social Media sind der Motor des Social Web.
    • Es gibt keine technische Einschränkungen mehr für Social Media.
      Da Unternehmen den Wert von Social Media anerkennen, werden sie sich alle Mühe geben, um noch bestehende Schranken schnellstmöglich einzureißen.
    • Es wird eine zunehmende Auseinandersetzung über den Besitz von Content zwischen User und Medien-Unternehmen geben.
      Und das in beide Richtungen. User Generated Content wird Unternehmen nicht mehr kostenlos zur Verfügung stehen und es wird mehr Initiativen von Unternehmern geben, die für ihre Beiträge Geld verlangen.
    • Unternehmen investieren viel Geld, um die Kontrolle über Social Media zu gewinnen und so ihr Marketing und ihre Produkte direkt an den User zu bringen. Ob es ihnen aber gelingen wird, ist fraglich.
    • "Return On Investment" gewinnt an Bedeutung.
      In 2010 nehmen erstmals nicht nur die Zahlen der User von Social Media zu, auch wird es erstmals zu spürbaren Gewinnen kommen.
    • Gute, alte Fähigkeiten kommen wieder in Mode
      Menschenkenner verdrängen Marketing und PR-Experten. Unternehmen wenden sich mehr Soziologen und Psychologen zu, die Ihnen helfen, Web-User besser zu verstehen. Neue Berufe entstehen: Social Media Managers, Social Media Psychologists und Social Media Executive Administrator.
    • Frauen sind die Social-Media-Macht.
      Frauen sind schon in 2009 für 75% der Kaufentscheidungen verantwortlich und 85% der Konsumenten-Käufe. Das Web wird sich ihren Bedürfnissen noch mehr anpassen und sie werden zu einer wichtigen und machtvollen Gruppe.
    • Social Media erobert ganz neue Anwendungsgebiete.
      Non-Profit-Communities, Job- und Arbeitnehmer-Suche, Fitness und Unterricht werden durch Social Media neu definiert. Beispiele dazu findet man bereits heute z. B. bei University of the PeopleSocial Media Club, I'm Too Young For This and Know Cancer Community.

    • Social Media ist KEINE Kampagne
      Noch vor ein paar Tagen habe ich mich mit einer Freundin, die bei einer großen Agentur arbeitet, über das Thema Social Media unterhalten. Darüber, dass es kein Marketing, sondern eine nachhaltige digitale Interaktionsform zwischen Menschen auf Augenhöhe ist. Social Media kann FÜR Kampagnen zwar genutzt werden, kann aber ALS Kampagne keinen Erfolg haben, da eine Kampagne immer einen Anfang, immer ein Ende hat. Und dann lese ich heute den Blog-Beitrag von Sachar Kriwoj, Head of Public Relations bei scoyo, den er als Antwort auf einen meiner Meinung nach unglücklich formulierten Beitrag von Cem Basman mit dem Titel Was waren 2009 die besten und schlechtesten Social Media Kampagnen in Deutschland geschrieben hat.
      Sachar Kriwoj trifft damit den Nagel auf den Kopf:
      "
      Social Media ist eine solche Art der Kommunikation, die vertrauensbildend wirken muss und durativ stattfindet. Wer gerade im Bereich Social Media in Kampagnenmustern denkt, sieht ein Anfang und ein Ende und verkennt so die Möglichkeiten von Social Media. Zumal es in meinen Augen nicht vertrauensbildend ist, User zu begeistern, sie zu motivieren, um dann nach wenigen Wochen oder Monaten den Stecker zu ziehen. Ebenso wie PR permanent praktiziert wird, sollte das auch bei Social Media der Fall sein. Darum bin ich mittlerweile für eine Umbenennung in Digital Relations. Denn letztendlich geht es bei Social Media-Kommunikation um den Aufbau von Beziehungen – nur eben digitalen. Diese funktionieren nicht immer nach dem klassischen Muster der PR, insofern sehe ich in DR eine neue Disziplin – eventuell auch nur eine Teildisziplin von PR -, mit der wir uns befassen müssen."
      Auch das gilt es in 2010 zu lernen.

  • SOCIAL NETWORKING
    • Metacommunities.
      Ich nutze diesen Ausdruck für die Vernetzung verschiedenster Plattformen nicht über eigens gebaute Widgets, die Informationen und Medien aus anderen Netzwerken auf eigene (Netzwerk-) Sites abbilden, sondern über Tags/Stichwörter. Bereits heute lassen sich Tags hervorragend dazu nutzen, um mittels RSS-Feed-Auswertung eigene, völlig unikate und relevante Informations- und Medien-Ströme zu modelieren (z. B. www.rivva.de). Diese Technologie wird in 2010 sicherlich automatisiert werden. So wird man mittels "Feed Wizzards" (Formulare zum Erstellen personalisierter Informationskanäle) und noch wesentlich innovativerer Technik (Semantic Web) in der Lage sein, quer über alle Plattformen hinweg Informationen zu erhalten. Ebenso wird Kommunikation immer mehr auf wenige bis ein einziges Interface zurückgreifen, so wie es heute schon im Ansatz mit Twitter praktiziert wird (z. B. Twitter-Einbindung in Facebook). (20.12.09 by Frank Tentler)

    • Generationsübergreifende Interaktion
      Ob du es willst oder nicht: Deine Mutter ist 2010 auf Facebook!
    • Schon jetzt nehmen alle möglichen und unmöglichen Verwandte aus nah und fern Kontakt auf und die Altersklassen steigen monatlich. Eltern kontrollieren unter dem Vorwand der "Wir sind cool!"-Maske die nächtichen Aktivitäten der Kinder und Enkel schicken Weihnachtswünsche an ihre Großeltern. Facebook hat diesen Trend erkannt und wird ihn mit entsprechenden Apps fördern. Ebenso wird Facebook Lite sich mehr den Bedürfnissen der älteren User anpassen. Dieser Trend wird sich über das ganze Jahr hin zu einem interessanten Geschäftsmodell entwickeln und auch andere Plattformen werden nicht nur "Silversurfer" eigene Kanäle geben, sondern ihnen die Möglichkeiten zur Nutzung des Social Webs vereinfachen…was wiederrum auch den anderen Nutzern zum Vorteil wird.
      Nur wir werden uns neue, geheime Kommunikationswege suchen müssen, damit wir nicht bei jedem Klick über Mutti stolpern…(22.12.09 F. Tentler)

  • SOCIAL MARKETING
    • Content kills agencies.
      Ich denke, dass 2010 ein grosses Agentur-(Ver-)Hungern einsetzen wird. Zum einen haben wir die nachhaltigen Auswirkungen der bevorstehenden katastrophalen Sparmaßnahmen der öffentlichen Haushalte, zum anderen werden wir erleben, dass Unternehmen immer mehr Werbe-Gelder in Social-Web-Kampagnen stecken werden. Dieses Social Marketing wird aber nicht so ohne weiteres von Agenturen umgesetzt werden können. Allerorts fehlen bei allen Agenturen die Know-How-Träger und von einem Verständnis für das Problem ist nur sehr wenig zu spüren. Zwar benutzen immer mehr Agenturen die nötigen Buzz-Words (wobei "Web 2.0" eigentlich schon wieder out ist), aber wissen nicht, was das eigentlich bedeutet. Klappern gehört halt zum Handwerk.
      Aber das ist das Problem: Klappern will keiner mehr hören! Social Marketing basiert auf echten/authentischen, informativen und unterhaltsamen Content, der durch Social-Web-erfahrene Kommunikationsexperten persönlich oder viral themenbezogen über die Plattformen als "Metacommunity" verteilt wird. Unternehmen werden ihren eigenen Content nicht mehr an Agenturen abgeben, um ihn dann schön verpackt teuer zurück zu kaufen. Sie werden mehr und mehr Mitarbeiter, die über Social-Web-Skills verfügen, in die Aussendarstellung integrieren. Wichtig werden hierfür "Social Media Manifeste" für Unternehmen werden, die diese Kommunikation regeln.
      Folge dieser Entwicklung wird sein, dass viel Geld für sinnlose Kampagnen verpulvert wird, was zunächst zu einem Platzen des Social-Marketing-Hypes führen wird…bis dann im schnell darauf folgenden Schritt Social Marketing zu einem festen und natürlichen Bestandteil der Werbung und anderes Online-Marketing weit hinter sich lassen wird.
      Hier besteht die große Chance für kleine und mittlere Agenturen durch Spezialisierung und Trendanalysen große Marktanteile zu generieren (
      20.12.09 by Frank Tentler).
      Hinweis: Unter dem Punkt "Kultur 2.0" hat Hagen Kohn diese Problematik der Agenturen sehr schön am Beispiel der Öffentlichkeitsarbeit von Kulturbetrieben dargestellt. Laut seiner Vorhersage wird Social Marketing In-House gelöst werden und entgeht somit Agenturen fast vollständig.
    • Social Marketing wird automatisiert.
      Will man zur Zeit erfolgreich Social Marketing betreiben, muss man entweder viel Zeit, viele Mitarbeiter oder Kenntnis von RSS-Feed-Building haben. Das wird sich in 2010 ändern! Schon jetzt bieten verschiedene CMS (s. meinen Beitrag "Das perfekte Social-Web-Blog") verschiedenste Möglichkeiten der automatischen Content-Verteilung. Aber das wird in 2010 noch viel perfekter. Es wird immer mehr automatisierende Plugins geben oder - wie ich gerade in der Entwicklung erleben darf - machtige Schnittstellen zu bestehenden Websites, die nicht nur deren Suchmaschinen-Wahrnehmung, sondern auch das Social Marketing automatisieren und permanent optimieren.
    • Wandel der Unternehmens-Homepage
      Warum sollen sich Unternehmen damit zufrieden geben, dass User sich nur noch auf ihren Facebook-Sites tummeln, aber nicht auf der eigenen Homepage? Das liegt natürlich daran, dass die meisten Unternehmens-Sites einfach nur LANGWEILIG sind. Warum soll ich sie besuchen? Da ist niemand, den ich kenne, da passiert nichts, da erzählen mir gedrillte Marketingler was ich glauben soll. Das muss sich ändern, wenn Unternehmen-Websites mit Social-Web-Plattformen konkurrieren wollen.
      Thomas Knüwer meint dazu: "Zum Aufwachen der Unternehmen gehört auch ein Blick auf die Abrufzahlen der Homepages. Viele Firmen-Sites aber haben Abrufzahlen, über die selbst mittelmäßig ambitionierte Blogger müde lächeln. Die Frage, wie Homepages gestaltet sein müssen, damit sie Kunden anziehen, führt ebenfalls in den Bereich von Social Media. So manches Unternehmen wird es schaffen, seine Kunden zu sich zu ziehen – und weg von Fangruppen in Social Networks."
      Das bietet natürlich auch wieder Platz für innovative Agenturmodelle (s. o.: Content kills agencies)

  • WEB TECHNOLOGIES
    • Ravit Lichtenberg geht davon aus, dass es viele coole, interessante und bizarre Online-Offline Integrationen geben wird. Stichwort: Augmented Reality.
    • Real Time Web. Gewöhnen wir uns schon einmal an diese englische Bezeichung. Das Echtzeit-Web wird eine der wichtigsten Entwicklungen des Jahres 2010 sein. Warum? Weil wir es jetzt schon nutzen (Twitter, Facebook Lite,…) und alle aktuellen Entwicklungen es bereits beinhalten. Ob nun in der Kommunikation oder im Konsum: wir werden immer mehr im Web in Echtzeit erledigen. Dieses Thema wird uns auch hier im ECHTZEITGEIST Blog im kommenden Jahr ständig begegnen.

      Thomas Knüwer glaubt, dass das Real Time Web die Medienwelt nachhltig verändern wird. Google hatte lange in diesem Bereich - vor allem was die Suche nach Echtzeit-Informationen angeht - die Zügel aus der Hand gegeben (s. z. B. Twitters Suchfunktion), holt aber jetzt immens auf. Der Nutzer ist anspruchsvoll geworden und gibt sich nicht mehr mit "News aus zweiter Hand" zufrieden. Beispiele wie die Wahl im Iran und der Absturz eines Flugzeugs in den Hudson sind 2 Beispiele dafür, wie Twitter andere Informationskanäle locker an die Wand spielte. Medien müssen daher schneller grundlegende Nachrichten überbringen. Nicht gleich in vollem Umfang mit ausgefeilter Berichterstattung – sondern als kleine Häppchen.
      Thomas Knüwer sieht z. B. folgende Anwendungsmöglichkeiten: "Einzelhändler müssen sich auf noch mehr Dienste einrichten, die es Kunden ermöglichen noch im Laden die dortigen Preise mit denen im Web zu vergleichen. Gleichzeitig bietet sich Händlern und Restaurants die Möglichkeit, Kunden, die sich in der Nähe eines Geschäftes befinden, mit Angeboten zu locken. Dies wird seit zehn Jahren versprochen – nun aber könnte es Wirklichkeit werden. Wir alle werden dadurch mittelfristig noch ungeduldiger werden. Wir wollen nicht mehr auf Produkte oder Informationen warten – wir wollen sie jetzt haben. Stante pede."

    • Social Web Blogs 
      Wer heute ein Weblog ohne Anbindung an Social Networks wie Facebook oder Twitter aufbaut, wer keine Re-Tweet-Funktion für Beiträge einbaut und seine Medien nicht auf Social-Media-Plattformen wie Flickr/Vimeo/YouTube lädt, verschenkt ein riesiges Potential, um nachhaltig Aufmerksamkeit zu erhalten. Dafür müssen Blogs aber neu überdacht, müssen neue Techniken in Content-Management-Systeme eingebunden, müssen neue Kommunikationskonzepte entwickelt werden und Kunden bereit sein, dafür auch zu zahlen. Was keine sinnlose Ausgabe ist, da diese Gelder sonst oft in Unternehmen in sinnlosen Marketingaktionen verpuffen, hier aber sehr gut aufgehoben sind. Ich beschäftige mich mit dieser Entwicklung schon einige Zeit (s. z. B. meinen Beitrag HIER) und empfehle bei neuen Web-Projekten und -Sites diese Investitionen nicht zu scheuen. Sie bringen kurzfristig Werbe-Erfolg, sparen mittelfristig viel Geld und langfristige Aufmerksamkeit.
      Wir müssen weg vom Internet-Tagebuch, hin zum voll im Living Web implantierten Social-Web-Blog. Noch müssen viele dieser Integrationen händisch vorgenommen werden, oder man greift auf Angebote wie posterous zurück. Ich bin sicher (nicht zuletzt weil ich gerade in Projekten mit Unternehmern zusammen arbeite, die dieses Ziel verfolgen), dass diese Techniken bald zum festen Bestandteil von Blog-Technologien gehören und automatisch genutzt werden. (25.12.09, F. Tentler)

  • MOBILE WEB
    • Ravit Lichtenberg geht davon aus (dabei beruft sie sich auf eine Studie von www.idc.com), dass in 2010 die Zahl der Mobile-Web-User weltweit eine Milliarde Menschen erreichen wird. Schon heute hat das iPhone einen Anteil von 33% des Mobile-Web-Traffic und das wird weiter wachsen.
    • Ich liebe das Gartner-Orakel! Nirgends sonst kann man so in Technik schwelgen wie hier. Dabei werden die Annahmen noch mit Fakten, Fakten, Fakten unterfüttert. Aber dennoch…oft liegt selbst ein Mega-Analytiker wie Gartner voll daneben.
      Die Prognosen zur Entwicklung des Mobile Webs halte ich aber für recht realitätsnah.
      Bis Ende 2010 werden laut Gartner 1,2 Milliarden Menschen Devices besitzen, mit denen sie surfen, netzwerken und vieles mehr können. Dabei sei es aber eine Voraussetzung, dass die entsprechenden Anwendungen auf den Smartphones sich den Vorbildern am Rechner mehr anpassen
      OK, da bin ich anderer Meinung: Oftmals finde ich, dass sich die Anwendungen auf den Rechnern eher den Mobile Apps anpassen sollten, was Usability angeht. Aber wer widerspricht schon Gartner...
      Die wichtigsten 10 Mobile-Web-Entwicklungen in den nächsten 3 Jahren (darunter macht Gartner gar nichts) sind:

      1. Mobile Bankanwendungen stehen an der ersten Stelle der genannten Apps, die bis 2012 auf Smartphones genutzt werden.
      2. Location Based Services: Mehr als 96 Millionen Menschen nutzen weltweit bisher Standort-orientierte Dienste, bis 2012 sollen es mehr als 526 Millionen werden.
      3. Mobile Suche: Den Markt werden einige wenige Anbieter unter sich aufteilen.
      4. 60 Prozent der Mobilgeräte sind heute Web-fähig, in vier Jahren werden es ca. 80 Prozent sein. Für Anwendungs-programmierer wird es sinnvoller, Web-Anwendungen statt proprietärer Clients einzusetzen, da diese Anwendungen preiswerter zu erstellen und leichter zu warten sind. Auch können Programmierer auf viele vorhandene Tools zurückgreifen.
      5. Mobile Erfassung von medizinischen Patientendaten. Eine spannende Industriebranche wird sich dort entwickeln. Beginnend in 2010 sollen entsprechende Anbieter 2012 bereits in der Lage sein, mit medizinischen Dienstleistungen und Produkten Geld zu verdienen.
      6. Mobile Zahlungsverkehr in der Bezahlung von Dienstleistungen und Produkten. 
      7. Near Field Communication
      8. Mobile Werbung 
      9. Instant Messaging
      10. Download von Musik via Mobiltelefon

    • Das Jahr der Apps
      "Das iPhone ist vielleicht nicht das beste Handy der Welt – aber es ist das Handy, das alles verändert." Thomas Knüwer ist sich sicher, dass auch in 2010 Apples Erfogs-Smartphone den Ton angeben wird. Das liegt nicht nur an der intuitiven Bedienung (da holen andere Geräte wie das Palm Pre und das Motorola Droid kräftig auf), sondern vor allem an der großen Apps-Auswahl. Die Menge von herunterladbaren Programmen für das iPhone geht locker auf die 100.000 zu und lässt andere Anbieter alt aussehen. Wenn hier kein alternatives Angebot von Google, Nokia und Co. geschaffen wird, bleibt Apple auch nach 2010 da, wo es jetzt schon ist: Ganz weit vorne. (25.12.09, Thomas Knüwer)

 

  • GADGETS & DEVICES
    Schön, dass dieser Bereich der Vorhersage derjeneige ist, wo Zeitschriften und Experten am liebsten glänzen. Die einen der coolen Tech-Fotos wegen, die anderen…keine Ahnung warum. Auf jeden Fall hat man so jede Menge aufbereiteten Content zum sichten.
    Zumeist liegen sie ja daneben, da Entwicklungen nicht von den vollmundigen Ankündigungen der Unternehmen, sondern von geschickten Marketing-Abteilungen und (dadurch provozierten) Kundenwünschen entstehen.
    Ich denke, dass wir einen weiteren Siegeszug des iPhones erleben werden. Es sind ja sogar schon Spuren einer neuen 4. Generation aufgespürt worden.
    Es ist beeindruckend, wie Apple es mit einem einzigen Gerät zum Gewinn-reichsten Handy-Hersteller geschafft hat. Daran werden Geräte wie das Motorola Droid, das Nokia N900 oder der Palm Pre auch in 2010 nicht rütteln.
    Wichtig für mich ist nur zu wissen, ob sich der Mobile-Web-Trend weiter fortsetzt. Und das wird er! Ich bin mir ziemlich sicher, dass schon in 2010 die Zahl der Mobile-Web-User an denen der stationären heranzieht. Was davon allerdings Smartphone oder Netbook ist, wird im kommenden Jahr noch nicht entschieden. Noch nicht.
    Apropo Netbooks: diese werden in 2010 noch einmal kräftig anziehen, aber da ist schon ein neuer Trend in Sicht. Wenn Apple den Gebeten seiner Gläubigen gerecht wird (völlig irre: es gibt über ein Geräte-Gerücht bereits komplette Websites mit Hintergrundberichte!?), erscheint im kommenden Jahr ein iPhone Tablet. Also eine Mischung aus iPhone und Netbook. Da aber dieses Netbook eher ein teures Macbook Air als ein Volks-Asus sein wird, braucht es einige Zeit und günstige Mobile-Verträge, um auf dem breitem Markt anzukommen (HIER noch ein Beitrag zu anderen Tablets).
    Nichtsdestotrotz: Mobile-Web-Devices sind der Renner 2010!
    Wer sich gerne in Bildern der Trends 2010 ergehen möchte, kann das gut bei Spiegel-Online IT-Trend-Vorschau 2010 machen. (22.12.09, F. Tentler)

    Wer das alles schon für Science Fiction, hält kann sich in DIESEM Beitrag von ReadWriteWeb einmal ansehen, wie die Interfaces der Zukunft aussehen sollten/könnten/werden. Denn ein Tablet ist eigentlich nur ein grösseres Smartphone oder ein Netbook mit Touchscreen.

  • UNTERNEHMEN TRENDS
    Es gibt in diesem Bereich wahnsinnig viele Orakler und wenn sie mit ihre Vorhersagen recht hätten, wären sie bestimmt so reich geworden, dass sie sich darüber keine Gedanken mehr machen bräuchten.
    Dennoch werfe ich jedes Jahr (eigentlich mehrmals im Jahr) einen Blick auf die Trends und Vorhersagen der Web-Unternehmens-Auguren. In diesem Jahr hat mir am besten die EInschätzung von Martin Weigert auf netzwertig.com gefallen. Wer sich für Trends und realitätsnahe Annahmen interessiert, ist bei seinem Beitrag Wer wird das nächste große Ding? und v. a. den dazu geschriebenen Kommentaren gut aufgehoben. Ansonsten: Würfeln.

  • SICHERHEIT & RECHT
    • Social Media-Guideline für Unternehmen
      Wie stellen Unternehmen und ihre Mitarbeiter sich im Social Web dar? Das wird eine der wichtigsten Fragen 2010 werden.Die Gefahren und Probleme, die die Nutzung von Social Media und Social Networks für Unternehmen mit sich bringen kann, sind immens. Aber die Chancen sind so groß, dass oftmals kopflos gehandelt wird.
      Folgendes Gedankenspiel: Bei einer Firmenfeier geht ein Mitarbeiter als Fotograf von Büro zu Büro und fotografiert die darin sitzenden KollegInnen, die ihm fröhlich zuwinken. Am nächsten Morgen sind diese Fotos bei Flickr zu finden, inklusive interner Papier, die auf den Schreibtischen lagen und mit einfachsten Mitteln lesbar gemacht werden können. Unwahrscheinlich? Schön wärs, aber das passiert täglich.

      Daniel Langwasser
      , Herausgeber des Community Management Blogs, hat sich zu diesem Thema viele Gedanken gemacht. Er sieht heute Unternehmen in einer seltsamen Situation: War früher das Problem, dass abziehende Mitarbeiter wertvolles Wissen aus einer Firma mit in die nächste nahmen (was mit internen Wikis und Datenbanken und dem Verteilen des Wissens auf viele Köpfe verhindert werden sollte), veröffentlichen heute Mitarbeiter völlig unbedarft wichtige Unternehmensinterna. Die moderne Geschäftswelt ist noch nicht auf die Entwicklungen im Social Web vorbereitet und reagiert gar nicht oder falsch. Es ist heute nicht mehr möglich zu verhindern, dass Mitarbeiter auch während der Arbeitszeit das Web nutzen. Ob das nun privat oder beruflich ist- immer besteht die Gefahr, dass unsachgemäß interagiert wird. Unternehmen wie Mitarbeitern fehlt es an allen Ecken und Enden an Medienkompetenz. Daniel Langwasser kommt zu 2 grundsätzlichen Forderungen:

      • Die Mitarbeiter müssen aktiv im Bereich  Social Media geschult werden.
      • Die Mitarbeiter brauchen Richtlinien, wie sie sich im Umgang mit Social Media-Diensten verhalten sollen.

      Daher sollte eine Social Media-Guideline zum Pflichtenheft eines jeden Unternehmens gehören. Ein gelungenes Beispiel dafür bietet das Unternehmen Intel. Zusammengefasst geht Intel dabei wie folgt vor:

      • Den Mitarbeitern ist es ausdrücklich erlaubt, sich aktiv am Austausch im Social Web zu beteiligen
      • Die Mitarbeiter erhalten hilfreiche Tipps, welche Inhalte auf welche Art kommuniziert werden können, wie mit Fehlern umgegangen werden sollte etc.
      • Ebenso werden die Mitarbeiter aber auch darüber aufgeklärt, dass letztendlich sie für die Inhalte verantwortlich sind und auch die entsprechenden Konsequenzen zu tragen haben
      • Ganz wichtig: Es werden auch Ansprechpartner genannt, wenn Fragen rund um das Thema Social Media bestehen
      Sein Fazit lautet:
      "Für Unternehmen ist Social Media ein wichtiges Thema, jetzt und heute! Mit generellen Verboten ist nichts zu erreichen, damit werden Chancen verspielt und im Zweifelsfall halten sich die Mitarbeiter ohnehin nicht daran. Unternehmen sollten jetzt aktiv werden, ggf. mit externer Unterstützung, und den Mitarbeitern Informationen und Richtlinien an die Hand geben, wie ein Engagement in den Social Media-Diensten aussehen kann. Im nächsten Schritt sollte dann die Grundlagenarbeit anstehen, wie z.B. Mitarbeiterschulungen zum Thema Social Media."
      HIER findet man seinen kompletten Beitrag zu diesem Thema. (23.12.09)

    • Kaspersky Lab Malware-Vorhersage 2010: Der IT-Sicherheitsexperte erwartet mehr Angriffe auf Filesharing- und P2P-Netzwerke. Zudem sollen raffiniertere und komplexere Schadprogramme eine Gefahr bilden – verstärkt auch auf mobilen Geräten.Die ausführliche Vorhersage kann man HIER nachlesen.

     

  • CLOUD COMPUTING UND SEMANTIC WEB
    • Windows 7 und Chrome OS  öffnen die Fenster zur Wolke
      Ich bin leidenschaftlicher Apple User, aber auch ich muss einsehen: unter 10% Marktanteil für das Betriebssystem Mac OS sind nicht die Weltherrschaft. Da hat Microsoft noch weit die Nase vorne und was sie mit dem neuen Betriebssystem Windows 7 auf den Markt gebracht haben, ist ein eindeutiges Statement: sie haben Cloud Computing fest in ihre Unternehmensstrategie eingebaut. Windows - also die Desktop-Anwendung - wird zwar nicht verschwinden, aber sehr an Bedeutung verlieren. Bestes Beispiel dafür ist der Release von Azure, einer Plattform, auf der Entwickler neue Cloud-Anwendungen bauen und testen können.
      Auch Google spielt hier mit den Muskeln. Sein neues Betriebssystem Chrome OS ist auf dem hauseigenen Browser Chrome aufgebaut und hat nur ein Ziel: Das Cloud Computing soll die Desktop-Arbeit ersetzen. Man kann gespannt sein, welche der beiden OS die Nase vorne haben wird, oder ob gar ein weiterer Kandidat seinen Handschuh in den Ring wirft. (21.12.09 by Frank Tentler)

    • Die Zukunft des Semantic Web
      Zu dem, was Gabor Molnar in seinem Trendreport geschrieben hat, braucht man nichts mehr hinzu zu fügen. Es geht zwar über das Jahr 2010 hinaus, aber das ist auch nötig, um die weitreichenden Veränderungen darzustellen, die das Semantic Web für unser Verständnis des Webs mit sich bringen wird.

      Besser, wir haben da noch etwas Zeit, um uns daran zu gewöhnen…

      (23.12.09)


  • KULTUR 2.0
    • Hagen Kohn ist Herausgeber von VIO World und als solcher bewandert in den aktuellen Entwicklungen der Kunst- und Kulturszene. Seine Vorhersage für 2010 lautet:

      Kultur 2.0 wird Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit von Kulturbetrieben.
      Nachdem die ersten Kultureinrichtungen vorgemacht haben, wie man Social Media erfolgreich nutzen kann (z.B. Duisburger Philharmoniker, Smithsonian Foundation), werden die Marketingabteilungen von Orchestern, Theatern, Museen, etc. allmählich beginnen, ihre Öffentlichkeitsarbeit (um Marketing handelt es sich ja nicht wirklich) um diesen Aspekt zu erweitern.
      Diese Entwicklung sieht er in 2 Schritten ablaufen:

      1. Anlauf: Top down
      Er fürchtet, dies wird zunächst nicht aus echtem Interesse an den neuen Tools geschehen, sondern „weil das halt zum Marketing-Mix dazugehört“. Auch hat er Zweifel, in wieweit personelle Entscheidungen getroffen werden, die einen effizienten Einsatz von Social Media befördern. Zu dieser Einschätzung gelangt er, wenn er sich die einschlägigen Stellenausschreibungen anschaut. Dort wird zwar häufig Social Media Kompetenz verlangt (am besten, man kann auch noch programmieren und Websites entwerfen…), er kann aber nicht erkennen, dass dem der nötige Platz im Stellenprofil eingeräumt wird.
      Kurz vor Feierabend noch schnell gebloggt und drei Tweets rausgeschickt – fertig ist der Marketing-Mix.
      Kurzgesagt: Das Ergebnis wird anfänglich weder Mitarbeiter (weil überarbeitet und überfordert), Intendanten (weil keine messbaren Ergebnisse), noch Publikum (weil langweilige Kommunikation) zufriedenstellen.

      2. Anlauf: Bottom up
      Parallel oder mit leichter Verspätung werden immer mehr Mitarbeiter (und hoffentlich auch Vorgesetzte) von selbst und freiwillig anfangen, mit Facetwitterblogbook zu experimentieren, und zwar aus echtem Interesse!
      Da beginnt die Sache spannend zu werden, weil Interesse und Spaß die Voraussetzung für einen sinnvollen Umgang mit diesen Tools sind. Was dann noch fehlt, ist ein Intendant/Manager, der dieses Interesse kanalisiert und ohne zuviel Kontrolle den Mitarbeitern ermöglicht, bzw. sie ermuntert, über Ihre Einrichtung zu bloggen, twittern, what ever…

      Vielleicht sehen wir bereits Ende 2010 erste Anzeichen hierfür (unter dem Einfluss der stART.10?), aber dieser Prozess wird sicher noch ein Weilchen dauern – die Kulturbranche ist etwas langsamer und vielleicht weltfremder als andere Sparten...

      Sein Tipp für Kultureinrichtungen
      Was jede Einrichtung aber sofort tun kann und sollte: Accounts eröffnen, Twitternamen sichern und anfangen, eine Community aufzubauen – wie langsam auch immer. Was man hat das hat man. Und je früher man damit anfängt, umso leichter.

      (22.12.09, H. Kohn)

    • Selbstvermarktung von Content im Web
    • Noch werden in Deutschland keine Anstalten gemacht, dass Kulturbetriebe ihre Produktionen, die Entstehung der Produktionen und Hintergrundberichte dazu nutzen, neue Wege der Selbstvermarktung zu gehen.

      Was für eine Verschwendung!

      Aber das wird sich 2010 (zwangsweise) ändern.
      Bedenkt man, welche schwierigen finanzielle Zeiten vor allen Kunstschaffenden liegen, ist es geradezu unverantwortlich, diese lukrative Chance nicht zu nutzen.
      Erste Schritte sind bereits gemacht worden: Einige Orchester, Theater und Museen produzieren bereits für das Social Web, haben sich mit Plattformen wie Facebook, Twitter, Youtube und Flickr auf breiter Front vernetzt und bilden sich bei Konferenzen wie der stARTconference und Schulungen fort.

      Dagegen steht aber das fehlende Verständnis für die Möglichkeiten der Vermarktung dieses Contents. Kaum ein Kulturbetrieb hat sich darüber bisher Gedanken gemacht, oder gar Businessmodelle dazu entworfen. Ebenso fehlt Wirtschaftsunternehmen die Weitsicht, diesen Content für ihre eigene Werbung zu nutzen. Und natürlich werden sie dazu auch keine Empfehlung ihrer Agenturen bekommen, da diese befürchten, Umsätze zu verlieren.
      Kulturbetriebe bieten aber Wirtschaftsunternehmen durch ihre qualitativ und quantitativ hochwertigen Produktionen und Vernetzungen das perfekte Shuttle für erfolgreiches Social Marketing:

      • Wirtschaftsunternehmen können deren kreatives Image nutzen
      • sie machen sich als kluge und grosszügige Sponsoren einen Namen. Kulturförderung gilt noch immer als DIE Paradedisziplin unter den Sponsormöglichkeiten
      • sie benötigen keine eigene Initiativen, um sich im Social Web einen Namen zu machen und wenn sie es doch machen, brauchen sie nicht bei Null anzufangen. Sie haben sich dort bereits einen Namen gemacht.

      Für mich als Unternehmer ist klar, dass ich diese Form des Marketings auf jeden Fall nutzen werde. Dazu habe ich auch schon einen Beitrag geschrieben: Odyssee 2.0- ein philosophisches Social-Web-Projekt. Alleine könnte ich niemals so viel hochwertigen Content produzieren. Das ich dabei ein ganz besonderes Projekt unterstützen darf, macht diese Art des Marketings besonders wertvoll.

      Wie kann diese Kooperation aussehen und welche Schritte sind notwendig:

      • Kulturbetriebe müssen eine eigene Social-Web-Strategie entwickeln
      • Gelder für klassisches Marketing müssen überdacht und eingespart werden, um sie in wesentlich effektiveres Social Marketing zu investieren
      • ein eigenes Media-Produktions-Team muss aufgebaut werden. Hierbei können interne und externe Helfer genutzt werden
      • sie müssen Social-Media-Plattformen für ihre Produktionen nutzen
      • sie müssen Social-Network Plattformen mit ihren Informationen und Produktionen bespielen, dort offen und authentisch interagieren und damit 1. Bekanntheit aufbauen und 2. beweisen, dass sie die nötige Medienkompetenz besitzen
      • sie müssen einen Businessplan erstellen, in dem sie genau darstellen, wie sie interagieren und wie das Sponsor-Wording aussieht ("Mit freundlicher Unterstützung…" in Medien wie Videos/Foto-Unterschriften/Tags, Bannerwerbung auf Website,…)

      Kulturbetriebe schlagen mit dieser Social-Web-Strategie 2 Fliegen mit einer Klappe: Sie machen Werbung für ihre Produktionen und erwirtschaften dringend benötigte Werbeeinnahmen durch Sponsorengelder.

      Übrigens tun sich hier ganz neue Möglichkeiten für Marketing- und Fundraising-Agenturen auf, da Kulturbetriebe nur selten über die Fähigkeiten verfügen, um auf die Schnelle derartige Konzepte zu erarbeiten und überzeugend an Unternehmen zu vermitteln. Aber Eile ist auf jeden Fall geboten. (27.12.09, F. Tentler)


      Media_httpwwwmarketin_vfhgd

      Auch in dieser Forrester-Grafik findet man das Element wieder, dass ich für Unternehmen und Kulturbetriebe für sehr wichtig halte:
      Die bezahlte Einbindung von Werbung in Social Media.
      Kulturbetriebe können nämlich hochwertigen Content in Hülle und Fülle zur Verfügung stellen, der optimal von Sponsoren zur eigenen Werbung ge-branded werden kann.

      Eine Win-Win-Situation und ganz klar einer der wichtigsten Claims im Social-Marketing-Goldgräberland 2010. (28.12.09, F. Tentler)


3. ...und warum es doch (teilweise) anders kommen wird, als man denkt...

Klar, erst groß einen auf Trendforscher machen und dann gleich alles wieder verbesserwissen!

Aber darum geht es gar nicht in diesem Kapitel. Vielmehr muss man in meinem Beruf ständig die Risiken abschätzen, um schnell zu reagieren und so für seine Kunden keinen unnötigen Schaden zu provozieren. Denn es gibt nur eine Wahrheit: es gibt keine Wahrheit. Nur Erfahrung, Beobachtung, Einschätzung und Fakten, die man klug, risikobereit oder ignorant nutzen kann. Daher werden wir uns hier die Trends aus den verschiedenen Themengebieten einmal genauer auf ihre Risiken unter die Lupe nehmen.

 

4. ...und wie man damit professionell umgeht

Wie reagiere ich auf diese Entwicklungen? Was muss ich als Unternehmer/Kulturbetrieb/User usw. beachten, wenn ich das Social Web für meine Kommunikation - ob nun privat oder professionell - nutze? Wo liegen in den beschriebenen Trends Chancen und Risiken?
Das werde ich in diesem Kapitel berschreiben.

 

5. Die ExpertInnen

  1. Ravit Lichtenberg, Gründerin und Chef-Strategin von www.ustrategy.com
  2. Hagen Kohn, Herausgeber von VIO World
  3. Gartner, Inc.
  4. Gabor Molnar
  5. Daniel Langwasser, Herausgeber des Community Management Blogs
  6. Thomas Knüwer, Journalist und Berater
  7. Sachar Kriwoj, Head of Public Relations bei scoyo
  8. Kaspersky Lab
  9. Martin Weigert, netzwertig.com
  10. Forrester
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  20. Frank Tentler, Social Web Strategist


6. Meine Webtrends 2010

Auf meiner Website www.franktentler.com ist eine Grafik mit Webtrends-Stichworten für das Jahr 2010 zu finden. In der ersten Zeile findet ihr dazu Kategorien, die sich durch die Farben in der alphabetischen Stichwortliste wiederfinden. Gerne könnt ihr diese Grafik herunterladen und verwenden/verändern/individualisieren.

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